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Klassifizierung von nuklearen und radiologischen Vorfällen

INES de

INES-Skala

Nukleare und radiologische Vorfälle werden mit Hilfe der "International Nuclear and Radiological Event Scale" (INES), übersetzt "Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse", eingestuft. Diese Skala wurde 1989 von der IAEO und der (OECD/NEA) mit Unterstützung von 60 Mitgliedsländern entwickelt. Die aktuelle Version wurde am 1. Juli 2008 verabschiedet.[1]

In der Skala wird je nach Schwere der Ereignisse zwischen Störfällen und Unfällen unterscheiden; sie enthält folgende Stufen:[2]

7 – Katastrophaler Unfall
6 – Schwerer Unfall
5 – Ernster Unfall
4 – Unfall
3 – Ernster Störfall
2 – Störfall
1 – Störung
0 – Unterhalb der Skala, Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung

Die IAEO stellt eine Liste zur Verfügung, in der neuere Ereignisse beschrieben werden:

→ IAEO: Events

Weitere Informationen zu INES unter:

→ IAEO: Challenges for Removal of Damaged Fuel and Debris von 2013 (englisch)
→ GRS: RS-Handbuch von 12/2001 (via WayBack)


GAU = Größter anzunehmender Unfall = Katastrophaler Unfall (INES)

Precursor-Analysen

Neben der relativ groben INES-Klassifizierung gibt es die sogenannten Precursor-Analysen (Precursor = Vorbote), die eine differenziertere Betrachtung ermöglicht. Hier wird ermittelt, "inwiefern beziehungsweise mit welcher Wahrscheinlichkeit Zwischenfälle in Atomkraftwerken, bei denen es noch nicht zu einem Kernschaden kam, zu einem solchen hätten führen können." Precursor-Analysen wurden in Deutschland durch die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) durchgeführt, wie Dokumente des Bundestages belegen.[3]

Listen von Atomunfällen

Corium

Bei den schweren Reaktorunfällen in Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima haben sich Kernschmelzen ereignet. Dabei entstand Corium, eine lavaähnliche Mischung aus Brennstoffen, Brennstäben und Werkstoffen. Corium sammelt sich am Boden des Reaktorbehälters und kann diesen durchdringen, wobei dann auch Beton in die Mischung aufgenommen wird. In Tschernobyl war das Corium bei seiner Entdeckung zwar bereits verhärtet. Es neigt jedoch über die Jahre zur Verwitterung, wodurch große Mengen von radioaktiven Spaltprodukten über kurz oder lang in die Umwelt gelangen können.[4]

Auch beim GAU von Fukushima wurde Corium gebildet. Im März 2011 wurde befürchtet, dass das Corium mit dem Wasser im äußeren Sicherheitsbehälter reagieren und eine Dampfexplosion mit Freisetzung radioaktiver Stoffe verursachen könnte.[5] Im Mai 2011 wurden Coriumklumpen mit radioaktiven Spaltprodukten auf den Böden der Reaktordruckgefäße der Fukushima-Einheiten 1, 2 und 3 entdeckt. Ob sie in den Boden eingedrungen sind, war unbekannt.[6]

In einem vom der Lobbyorganisation Deutsches Atomforum 2013 veröffentlichten Artikel wird davon ausgegangen, dass das Corium in den Reaktorsockel in Fukushima eingedrungen ist, diesen aber nicht durchdrungen hat.[7] Wieviel Corium verschmolzen ist und wo es festgebacken ist, war auch 2013 ungewiss, da niemand die verstrahlten Gebäude betreten konnte.[8]

Um eine Kernschmelze auszuschließen oder einzugrenzen und die Freigabe radioaktiver Elemente zu begrenzen, sollten Atomkraftwerke mit einem sogenannten "harten Kern" nachgerüstet werden. [9]

Bei Atomunfällen entstandenes oder künstlich erzeugtes Corium ist auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Je nachdem, welche Werkstoffe und Gase aufgenommen wurden, werden unterschiedliche Klassen von Corium unterschieden.[10]

→ Wikipedia: Corium

(Letzte Änderung: 16.06.2024)

Einzelnachweise

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