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==Forschungszentrum in Südfrankreich==
 
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Cadarache ist ein wichtiges Forschungszentrum, das sich in der Provinz Bouches-du-Rhône in französischen Süden, bei der Gemeinde Saint-Paul-lez-Durance nordöstlich von Marseille und Aix-en-Provence befindet.<ref name="asn_Cadarache">asn: [https://www.asn.fr/L-ASN/ASN-en-region/Division-de-Marseille/Activites-de-recherche/Site-de-Cadarache/Centre-CEA-de-Cadarache Centre CEA de Cadarache] abgerufen am 16. April 2017</ref>
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Das Forschungszentrum Cadarache befindet sich in der Provinz Bouches-du-Rhône im französischen Süden, bei der Gemeinde Saint-Paul-lez-Durance nordöstlich von Marseille und Aix-en-Provence.<ref name="asn_Cadarache">asn: [https://www.asn.fr/L-ASN/ASN-en-region/Division-de-Marseille/Activites-de-recherche/Site-de-Cadarache/Centre-CEA-de-Cadarache Centre CEA de Cadarache] abgerufen am 16. April 2017</ref>
   
Das am 14. Oktober 1959 gegründete Centre de Cadarache betreibt Forschung und Entwicklung in den Bereichen Kernspaltung, Kernfusion, Erneuerbare Energien, Ökophysiologie der Pflanzen und Mikrobiologie.<ref>cea: [http://cadarache.cea.fr/cad/Le-Centre/presentation-cadarache Le centre de Cadarache : une plate-forme de recherche énergétique unique] abgerufen am 16. April 2017</ref>
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Cadarache wurde am 14. Oktober 1959 gegründet und ist eines von neun Zentren des CEA (Commissariat à l’Energie Atomique et aux Energies Alternatives). Es betreibt Forschung und Entwicklung in den Bereichen Kernspaltung, Kernfusion, Erneuerbare Energien, Ökophysiologie der Pflanzen und Mikrobiologie.<ref>cea: [http://cadarache.cea.fr/cad/Le-Centre/presentation-cadarache Le centre de Cadarache : une plate-forme de recherche énergétique unique] abgerufen am 16. April 2017</ref>
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Das Centre de Cadarache liegt auf der sogenannten Durance-Verwerfung, einer geologischen Bruchzone, an der sich im Abstand von rund 100 Jahren immer wieder starke bis verheerende Erdbeben ereignet haben, zuletzt 1913. Die meisten Anlagen in Cadarache werden deshalb von französischen Seismologen als Strahlenrisiko für die Region angesehen.<ref name="Spiegel_1994_05_30">DER SPIEGEL 22/1994: [http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13690416.html Auf schwankendem Grund] vom 30. Mai 1994</ref>
   
 
==Forschungsanlagen==
 
==Forschungsanlagen==
Bekannt ist Cadarache vor allem aufgrund seiner Forschung im Bereich der Kernfusion:
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Bekannt ist Cadarache vor allem aufgrund seiner Forschung im Bereich der [[Kernfusion und Fusionsanlagen|Kernfusion]]:
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→ [http://de.atomkraftwerkeplag.wikia.com/wiki/ITER_%28Frankreich%29 ITER ](im Bau befindliche Kernfusionsanlage von Typ [[Tokamaks, Stellaratoren und weitere Konzepte|Tokamak]])<br />
 
→ [http://de.atomkraftwerkeplag.wikia.com/wiki/Tore_Supra/WEST_%28Frankreich%29 Tore Supra/WEST ](seit 1988 betriebene Forschungsanlage vom Typ Tokamak)
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Darüber hinaus wurden bzw. werden in Cadarache weitere 18 Forschungsanlagen zur Grundlagenforschung im Bereich der Atomspaltung betrieben.<ref name="asn_Cadarache"/>
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Im Bau befindet sich ein Forschungsreaktor, in dem u.a. Bestrahlungsexperimente von Materialien und Brennstoffen für Atomreaktoren der heutigen Generation III und der geplanten Generation IV durchgeführt werden sollen.
   
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→ [[Jule-Horowitz-Reaktor (Frankreich)|Jule-Horowitz-Reaktor]]
   
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==Kernschmelze-Experimente und Störfall 2009==
→ [http://de.atomkraftwerkeplag.wikia.com/wiki/Tore_Supra/WEST_%28Frankreich%29 Tore Supra/WEST ](Forschungsanlage vom Typ Tokamak in Betrieb)<br />
 
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Der "Spiegel" berichtete 1994, dass trotz der erdebengefährdeten Lage des Forschungszentrums am 2. Dezember 1993 zu Testzwecken ein Mini-GAU in Cadarache erzeugt wurde.<ref name="Spiegel_1994_05_30"/> Kern des Experiments war "eine kontrollierte Reaktor-Kernschmelze, die offenbaren soll, was sich im Katastrophenfall im Inneren eines Atommeilers abspielt."<ref>DER SPIEGEL 13/1993: [http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13683180.html Störfall nach Maß] vom 29. März 1993</ref> Das zugrundeliegende Forschungsprogramm "Phébus" war 1988 initiiert worden; im gleichnamigen Reaktor wurden zwischen 1993 und 2004 insgesamt fünf derartige Experimente durchgeführt.<ref>IRSN: [http://www.irsn.fr/FR/Larecherche/Organisation/Programmes/PHEBUS-PF/Pages/Programme-accidents-graves-PHEBUS-PF-3455.aspx Le programme Phébus PF] abgerufen am 18. April 2017</ref>
→ [http://de.atomkraftwerkeplag.wikia.com/wiki/ITER_%28Frankreich%29 ITER ](Kernfusionsanlage von Typ Tokamak im Bau)
 
   
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Am 6. Oktober 2009 wurde der französischen Atomenergiekommission CEA vom Betreiber der Plutonium-Fabrik ATPu ein unerwarteter zusätzlicher Bestand von 39 Kilogramm [[Radioaktive Substanzen#Plutonium|Plutonium]] in einem abgedichteten Behältern gemeldet. In dieser Anlage war 40 Jahre lang MOX produziert worden; sie befand sich zu jener Zeit bereits im Rückbau. Das zusätzliche Plutonium hatte der Betreiber wohl schon im Juni 2009 entdeckt, aber Monate lang verschwiegen. Das Ereignis wurde als singnifikanter Mangel in der Sicherheits-"Kultur" des Betreibers und als Störfall der Stufe 2 der siebenstufigen [[Atomunfälle - Klassifizierung und Übersicht|INES]]-Skala gewertet.<ref>asn: [http://www.french-nuclear-safety.fr/Information/News-releases/Incident-on-the-ATPu-nuclear-facility-Cadarache-CEA-site Incident on the ATPu nuclear facility (Cadarache CEA site): the ASN rates incident as level 2, draws up a report and suspends all dismantling operations] vom 20. Oktober 2009</ref><ref>n-tv.de: [http://www.n-tv.de/politik/Stoerfall-in-Suedfrankreich-article548380.html "Reicht für fünf Atombomben - "Störfall in Südfrankreich] vom 15. Oktober 2009</ref><br /><br />
Darüber hinaus werden In Cadarache weitere 18 Forschungsanlagen betrieben.<ref name="asn_Cadarache"/><br /><br />
 
   
 
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Aktuelle Version vom 18. April 2017, 20:13 Uhr

Atomenergie in Europa > Frankreich > Cadarache (Frankreich)

Forschungszentrum in Südfrankreich

Forschungszentrum Cadarache

Das Forschungszentrum Cadarache befindet sich in der Provinz Bouches-du-Rhône im französischen Süden, bei der Gemeinde Saint-Paul-lez-Durance nordöstlich von Marseille und Aix-en-Provence.[1]

Cadarache wurde am 14. Oktober 1959 gegründet und ist eines von neun Zentren des CEA (Commissariat à l’Energie Atomique et aux Energies Alternatives). Es betreibt Forschung und Entwicklung in den Bereichen Kernspaltung, Kernfusion, Erneuerbare Energien, Ökophysiologie der Pflanzen und Mikrobiologie.[2]

Das Centre de Cadarache liegt auf der sogenannten Durance-Verwerfung, einer geologischen Bruchzone, an der sich im Abstand von rund 100 Jahren immer wieder starke bis verheerende Erdbeben ereignet haben, zuletzt 1913. Die meisten Anlagen in Cadarache werden deshalb von französischen Seismologen als Strahlenrisiko für die Region angesehen.[3]

Forschungsanlagen

Bekannt ist Cadarache vor allem aufgrund seiner Forschung im Bereich der Kernfusion:

ITER (im Bau befindliche Kernfusionsanlage von Typ Tokamak)
Tore Supra/WEST (seit 1988 betriebene Forschungsanlage vom Typ Tokamak)

Darüber hinaus wurden bzw. werden in Cadarache weitere 18 Forschungsanlagen zur Grundlagenforschung im Bereich der Atomspaltung betrieben.[1]

Im Bau befindet sich ein Forschungsreaktor, in dem u.a. Bestrahlungsexperimente von Materialien und Brennstoffen für Atomreaktoren der heutigen Generation III und der geplanten Generation IV durchgeführt werden sollen.

Jule-Horowitz-Reaktor

Kernschmelze-Experimente und Störfall 2009

Der "Spiegel" berichtete 1994, dass trotz der erdebengefährdeten Lage des Forschungszentrums am 2. Dezember 1993 zu Testzwecken ein Mini-GAU in Cadarache erzeugt wurde.[3] Kern des Experiments war "eine kontrollierte Reaktor-Kernschmelze, die offenbaren soll, was sich im Katastrophenfall im Inneren eines Atommeilers abspielt."[4] Das zugrundeliegende Forschungsprogramm "Phébus" war 1988 initiiert worden; im gleichnamigen Reaktor wurden zwischen 1993 und 2004 insgesamt fünf derartige Experimente durchgeführt.[5]

Am 6. Oktober 2009 wurde der französischen Atomenergiekommission CEA vom Betreiber der Plutonium-Fabrik ATPu ein unerwarteter zusätzlicher Bestand von 39 Kilogramm Plutonium in einem abgedichteten Behältern gemeldet. In dieser Anlage war 40 Jahre lang MOX produziert worden; sie befand sich zu jener Zeit bereits im Rückbau. Das zusätzliche Plutonium hatte der Betreiber wohl schon im Juni 2009 entdeckt, aber Monate lang verschwiegen. Das Ereignis wurde als singnifikanter Mangel in der Sicherheits-"Kultur" des Betreibers und als Störfall der Stufe 2 der siebenstufigen INES-Skala gewertet.[6][7]

(Letzte Änderung: 18.04.2017)

Einzelnachweise