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Die Konzerne > EDF

Größter Energie- und Atomkonzern Frankreichs

Fessenheim, dienstältestes EDF-AKW in Frankreich

Die Électricité de France (EDF) ist der größte Energiekonzern Frankreichs. Sie wurde 1946 aufgrund einer Entscheidung der französischen Regierung gegründet, ein staatliches Monopol im Bereich der Energieversorgung zu etablieren. 2005 wurde sie zwar in eine börsennotierte Gesellschaft umgewandelt.[1] Sie befindet sich jedoch, da die französische Regierung 83,77 % der Aktien besitzt (Stand: 27. Dezember 2021), de facto weiterhin in staatlicher Hand.[2]

Nachdem die EDF in den 1960er und 1970er Jahren mit Chinon, Brennilis/Monts d´Arrée und Saint-Laurent zunächst gasgekühlte Reaktoren ans Netz gebracht hatte, stieg sie nach der Ölkrise 1973 auf Druckwasserreaktoren um. Als erste Reaktoren dieses Typs gingen 1977 Fessenheim-1 und -2 in Betrieb.

Die EDF besitzt weiterhin eine Monopolstellung im Bereich der Atomenergie in Frankreich. Der Konzern ist Eigentümer aller aktiven französischen Atomkraftwerke an 17 Standorten.[3]

Global Player

Auf seiner Homepage stellt sich die EDF als Energiekonzern dar, der erfolgreich wirtschaftliches Wachstum mit Klimaschutz verbinde.[4] Sie betreibt 22 Niederlassungen in weltweit.[5]

Mit der Übernahme der British Energy durch die EDF Energy am 3. Februar 2009 wurde die Électricité de France in Großbritannien zu einem der größten Energieunternehmen und Eigentümer aller aktiven britischen Atomkraftwerke.[6]

In Deutschland war die EDF bis 2011 mit 45 % an EnBW beteiligt, hat ihren Anteil aber veräußert und möchte bei der Energiewende mitwirken.[7]

Im Oktober 2012 wurde gemeldet, dass die EDF, die AREVA und die GE Hitachi Nuclear Energy den Bau von Atomkraftwerken in Polen unterstützen wollten und Absichtserklärungen unterzeichnet haben.[8] Ob oder wann Polen in die Atomkraft einsteigt, ist jedoch offen.

Hoher Schuldenstand

Nachdem der französische Atomkonzern AREVA 2015 einen Verlust von vier Mrd. Euro einfuhr,[9] wurde am 4. Juni 2015 bekanntgegeben, dass die EDF die Mehrheit bei der Reaktorsparte von AREVA übernehmen sollte.[10] Am 15. November 2016 wurde die Übernahme für 2,5 Mrd. Euro vertraglich besiegelt; die AREVA NP wurde in New NP umbenannt. Nicht übertragen wurde das Bauprojekt Olkiluoto (Finnland).[11]

Milliardengrab Flamnville-3

Der Neubau des Europäischen Druckwasserreaktors Flamanville 3 in Frankreich hat sich für die EDF zu einem Milliardengrab entwickelt. Die ursprünglich veranschlagten Kosten von 3 Mrd. Euro wurden in einer Schätzung von 2015 auf 10,5 Mrd. Euro angehoben.[12]

2016 belief sich der Schuldenstand der EDF auf stattliche 37 Mrd. Euro; dies hinderte den Konzern jedoch nicht, in das auf 21 Mrd. Euro geschätzte Neubauprojekt Hinkley Point C in Großbritannien einzusteigen.[13]

Im September 2016 unterzeichneten die Électricité de France und die chinesische CGN zudem Verträge zur Entwicklung von zwei EPR-Reaktoren am britischen Standort Sizewell.[14]

Anfang 2018 schloss EDF die Übernahme des AREVA-Reaktorgeschäfts ab und war nun Eigentümer von 75,5 % des Kapitals. Zuvor hatte der französische Staat AREVA durch eine Kapitalspritze von insgesamt 4,5 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet.[15]

Kritik

Die EDF setzte sich nach der Fukushima-Katastrophe vehement für eine weitere Nutzung der Atomenergie ein, auch mit unlauteren Mitteln. Sie "hat sich in die Computer von Greenpeace gehackt und die Atomkraftgegner systematisch ausspioniert. Dafür muss der Konzern den Umweltschützern nun Schadensersatz zahlen. Zwei Manager erhielten Haftstrafen."[16]

2012 kam die EDF wegen des Umgangs mit Leiharbeitern in die Schlagzeilen. So forderte der Selbsthilfeverein der französischen Fremdarbeiter, dass zur Verringerung von Strahlungsrisiken vermehrt Roboter eingesetzt werden sollen. Die Aufsichtsbehörde ASN rief die EDF auf, ihrer Verantwortung für extern vergebene Arbeiten besser gerecht zu werden.[17]

(Letzte Änderung: 27.12.2021)

Einzelnachweise

  1. EDF: History abgerufen am 27. Dezember 2021
  2. EDF: EEDF Group's share capital at 30 June 2021 abgerufen am 27. Dezember 2021
  3. IAEO: PRIS - Country Statistics/France abgerufen am 27. Dezember 2021
  4. EDF: EDF at a glance abgerufen am 27. Dezember 2021
  5. EDF: EDF in the world abgerufen am 27. Dezember 2021
  6. British Energy: British Energy, part of EDF Energy abgerufen am 27. Dezember 2021 (via WayBack)
  7. EDF Deutschland: Unsere Präsenz abgerufen am 24. März 2017 (via WayBack)
  8. nuklearforum.ch: Polens Kernenergiepläne ziehen Kreise vom 17. Oktober 2012
  9. Yahoo: Noch höherer Milliardenverlust für Atomkonzern vom 21. Februar 2015 (via WayBack)
  10. n-tv.de: EDF übernimmt Reaktorsparte - Paris treibt Areva-Aufspaltung voran vom 4. Juni 2015
  11. nuklearforum.ch: Übernahme des Areva-Reaktorgeschäfts unter Dach und Fach vom 18. November 2016
  12. world nuclear news: Flamanville EPR timetable and costs revised vom 3. September 2015
  13. Tagesspiegel: Das Projekt Hinkley Point C - Nachdenken über Atomkraft vom 31. Juli 2016
  14. Ipswichstar: Deals to develop Sizewell C signed between EDF and Chinese company CGN vom 29. September 2016
  15. Handelsblatt: EDF schließt Übernahme von Areva-Reaktorgeschäft ab vom 2. Januar 2018
  16. Frankfurter Rundschau: Atomkonzern hackt Greenpeace und muss nun zahlen vom 16. November 2011 (via WayBack)
  17. Deutschlandfunk: Unterbezahlt und hoch gefährdet - Leiharbeiter im französischen Atompark vom 14. März 2012 (via WayBack)
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