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Reaktoren außer Betrieb > Emsland (Niedersachsen)

Druckwasserreaktor • Leistung: 1.406 MW • Typ: Konvoi • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 10. August 1982 • Inbetriebnahme: 14. April 1988 • Abschaltung: 15. April 2023[1][2][3]


Informationen zum Reaktor

Ems bei Lingen 3

AKW Emsland

Der stillgelegte Druckwasserreaktor Emsland (KKE) befindet sich in der Nähe der Stadt Lingen in Niedersachsen. Er wurde am 14. April 1988 nach sechs Jahren Bauzeit in Betrieb genommen, besaß eine Leistung von 1.406 MW Leistung und wurde am 15. April 2023 endgültig abgeschaltet. Hersteller war die Kraftwerk Union (KWU),[1][2][3] die Errichtung des Atomkraftwerks kostete fünf Mrd. Deutsche Mark.[4]

Betreiber ist die Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH, Eigentümer sind die RWE Power AG mit 75 % und die E.ON-Tochter PreussenElektra GmbH mit 25 % Beteiligungen.[1]

Zur Anlage gehören das Speicherbecken Geeste, das als Reservoir für Kühlwasser dient,[4] und ein Zwischenlager. Nördlich des Standorts befindet sich das stillgelegte Atomkraftwerk Lingen (Niedersachsen).

Zwischenfälle und Risiken

Im Dezember 1988 floss radioaktives Kühlwasser in einen Abblasetank des AKWs, weil ein Ventil des primären Kühlmittelkreislaufs wegen eines falschen elektrischen Steuerbefehls geöffnet worden war.[5]

Im Juli 2009 wurde von einer Überwachungseinrichtung an einem Maschinentrafo eine Schnellabschaltung ausgelöst.[6]

Am 26. August 2010 protestierte Greenpeace kurz vor einem Besuch Angela Merkels am AKW mit einer Lichtinstallation gegen die geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Während des Besuchs der Kanzlerin protestierten weitere Umweltschützer.[7]

Am 27. September 2012 berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung", dass das AKW Emsland nicht gegen gezielte Flugzeugabstürze gesichert sei. So fehle als Schutzmaßnahme eine Nebelanlage, die Piloten bei gezielten Terrorangriffen die Sicht nehmen solle.[8]

Im EU-Stresstest wurden im Oktober 2012 neue Mängel auch am AKW Emsland offengelegt: "Das Zeugnis der EU-Experten fiel generell nicht gerade positiv aus: Neben den fehlenden Erdbebenwarnsystemen wurden auch der fehlende Schutz der Reaktorgebäude bei starken Erdbeben sowie die lückenhaften Notfallpläne für schwere Unfälle bemängelt." Der damalige niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) wies die Analyse der Experten zurück.[9] Birkner unterstützt nach eigenen Angaben die Nutzung der Atomkraft.[10]

Der BUND wies im Oktober 2012 darauf hin, dass das AKW Emsland im normalen Betrieb Radioaktivität an die Umgebung abgibt und anfällig gegen Terroranschläge ist.[11]

Im März 2013 wurde bekannt, dass die AKW Emsland und Grohnde "einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung (...) nach dem Stand von Wissenschaft und Technik" unterzogen werden sollen. Der Einsatz von MOX-Brennelementen sollte in einem ersten Schritt kritisch untersucht werden.[12]

Am 27. Oktober 2013 musste das AKW Emsland vom Netz genommen werden, weil beim Nachfüllen Öl auf einer heißen Leitung in Brand geraten war. Externe Sachverständige wurden vom Umweltministerium Niedersachsen zur Prüfung des Vorfalls hinzugezogen.[13]

Nach einem Leck im April 2015, aufgrund dessen das AKW vorübergehend heruntergeschalten wurde, forderten Atomkraftgegner eine sofortige Abschaltung des unter "Materialermüdung" leidenden Meilers. Sie erinnerten an "Leckagen am Entwässerungs- sowie am nuklearen Abwasseraufbereitungssystem" im Jahr 2012.[14]

Misslungene Notfallübung

Im Oktober 2014 berichtete die "taz" auf Grundlage eigener Recherche, dass am 17. September 2013 eine geheime Übung von Bund und Ländern stattfand, bei der ein schwerer Reaktorunfall im Atomkraftwerk Emsland simuliert wurde. Dabei traten "eklatante Mängel" bei der Kommunikation und der Aufteilung der Zuständigkeiten zutage. So wurde beispielsweise "die Bevölkerung erst zu einem Zeitpunkt gewarnt, zu dem die radioaktive Wolke bereits Millionen Menschen erreicht hätte. "Die Empfehlung, Fenster und Außentüren geschlossen zu halten, kam für einige Regionen fünf Stunden zu spät"".[15]Was am Tag X passiert

Abschaltung April 2023, Rückbau bis 2037

Laut Atomgesetz sollte das AKW Emsland zunächst spätestens am 31. Dezember 2022 endgültig abgeschaltet werden.[16]

Am 23. Dezember 2016 reichte die Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH den Stilllegungs- und Abbauantrag für die Anlage ein.[17]

Mit dem Rückbau sollte 2023, gleich nach der Abschaltung, begonnen werden. 2027 soll das AKW brennstofffrei sein, 2029 wasserfrei. 2037 sollen die Rückbauarbeiten abgeschlossen werden.[18]

Mitte Oktober 2022 beschloss Bundeskanzler Olaf Scholz jedoch einen Weiterbetrieb der Einheiten Emsland, Isar 2 (Bayern) und Neckarwestheim II (Baden-Württemberg) bis 15. April 2023. Der Bundestag und der Bundesrat stimmten im November 2022 zu. Die Bundesregierung versprach sich davon "einen Beitrag zur Sicherung der Stromversorgung über den Winter".[19]

Weitere Links

→ RWE Power AG: Kernkraftwerk Emsland (Informationen des Betreibers)

(Letzte Änderung: 18.04.2023)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 18. April 2023
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 ntv.de: Letzte AKW vom Netz getrennt - Deutscher Atomausstieg ist vollzogen vom 16. April 2023
  4. 4,0 4,1 Osnabrücker Zeitung: Abschaltung Ende 2022 - Bau des Kernkraftwerkes in Lingen kostete fünf Milliarden vom 6. Juni 2017
  5. DER SPIEGEL 52/1988: Große Schlamperei - Neuer Höhepunkt der Pannenserie in Atommeilern vom 26. Dezember 1988
  6. n-tv: Kernkraftwerk abgeschaltet - Zwischenfall im AKW Emsland vom 24. Juli 2009
  7. Spiegel Online: Emsland: Proteste bei Kanzlerin-Besuch im AKW vom 26. August 2010
  8. NOZ: Grüne kritisieren Umweltministerium - Nebelanlage für AKW-Schutz fehlt in Lingen vom 27. September 2012
  9. NDR: AKW-Stresstest: Birkner weist EU-Kritik zurück vom 5. Oktober 2012 (via WayBack)
  10. NWZ: "Bürger sollen zu Wort kommen" vom 13. Februar 2012
  11. BUND: AKW/KKW Emsland abgerufen am 7. Oktober 2020
  12. PresseBox: Einsatz von MOX-Brennelementen wird kritisch überprüft vom 27. März 2013
  13. Neue OZ: Ministerium prüft Feuer im Kernkraftwerk in Lingen vom 28. Oktober 2013
  14. NDR: AKW Emsland ist wieder hochgefahren vom 7. April 2015 (via WayBack)
  15. taz.de: Geheime Übung von Bund und Ländern - Nicht bereit für den Super-GAU vom 24. Oktober 2014
  16. BASE: Laufzeiten und Elektrizitätsmengen deutscher Atomkraftwerke abgerufen am 18. Juni 2022 (via WayBack)
  17. umwelt.niedersachsen.de: Sachstandsinformation Kernkraftwerk Emsland (KKE) abgerufen am 7. Oktober 2020 (via WayBack)
  18. NOZ: Rückbau des Kernkraftwerkes Emsland bis Ende 2037 geplant vom 9. November 2018
  19. Zeit Online: Bundesrat billigt Aufschub von Atomausstieg vom 25. November 2022
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