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Atomforschung > Geesthacht

Geschichte

Bundesarchiv B 145 Bild-F031999-0006, Frachter NS Otto Hahn

NS Otto Hahn

Am 18. April 1956 wurde in Geesthacht nahe Hamburg ein Atomforschungszentrum mit dem Namen "Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt mbH (GKKS)" gegründet, das sich zunächst auf die Entwicklung von Schiffsreaktoren spezialisierte. Später wurde es umbenannt in "GKSS-Forschungszentrum Geesthacht".[1]

Am 23. Oktober 1958 wurde auf dem Gelände des Zentrums der Forschungsreaktor FRG-1 mit einer Leistung von 5 MW in Betrieb genommen, der Neutronen für wissenschaftliche Zwecke produzierte. Zunächst wurde hochangereichertes Uran-235 verwendet, Anfang der 1990er Jahre auf niedrig angereichertes Uran umgestellt. Ab März 1963 betrieb das GKSS mit dem FRG-2 einen weiteren Forschungsreaktor mit einer Leistung von 15 MW, der bis 1991 als Neutronenquelle für Materialforschung verwendet wurde.[2]

Im GKSS wurde außerdem das atomgetriebene Fracht- und Forschungsschiff "NS Otto Hahn" erbaut. Die "schwimmende Atombombe", wie sie im Volksmund genannt wurde, ist von 1968 bis 1979 betrieben und mittlerweile stillgelegt worden. Siehe dazu → NS Otto Hahn (Schleswig-Holstein)

Im Zusammenhang mit dem Betrieb der Geesthachter Forschungsreaktoren wurden von Umweltschützern Vorwürfe laut, dass nukleare Experimente ("Mini-Atombomben") durchgeführt und in der Umgebung aufgetretene Leukämie-Fälle bei Kindern verursacht würden. Bei einem vertuschten Zwischenfall am 12. September 1986 soll radioaktive Strahlung ausgetreten sein. Bei Untersuchungen konnte jedoch kein Nachweis dafür gefunden werden.[3][4][5] Die Bundesregierung erklärte 2006 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage aus dem Bundestag, an dem genannten Datum 1986 sei keine erhöhte Strahlung gemessen und es seien auch keine Anreicherungsexperimente durchgeführt worden.[6]

Entwicklung seit 1970

Ab 1970 forschte die GKSS im Bereich Wasserentsalzung und bezog dabei auch die Atomkraft mit ein.[7]

1974 wurde als neues Arbeitsgebiet die Reaktorsicherheitsforschung eingerichtet, und später kamen weitere Arbeitsgebiete dazu, u. a. die Strukturforschung mit Neutronen, die zum Teil auch an der Forschungsneutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz in Garching und am Forschungszentrum DESY in Hamburg durchgeführt wird. Am 1. November 2010 erfolgte die Umbenennung in "Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung GmbH".[1]

Am 31. März 2021 wurde der Standort in "Helmholtz-Zentrum hereon GmbH" umbenannt. Als neues Forschungsthema wurde der Klimawandel genannt.[8]

Ausstieg aus der Atomforschung

Im August 2012 hatte das Helmholtz-Zentrum Geesthacht bekanntgegeben, dass die "kerntechnischen Anlagen" am Standort, womit der im August 2010 abgeschaltete Forschungsreaktor FRG-1 und Versuchsgeräte gemeint waren, komplett rückgebaut werden sollen. Die Brennelemente wurden bereits im Juli 2012 abtransportiert. Wohin die sonstigen strahlenden Überreste des Reaktors überführt werden sollen, wurde in der Pressemitteilung nicht thematisiert.[9]

→ hereon.de: Wissen schafft Nutzen - 50 Jahre GKSS von 2006

(Letzte Änderung: 08.04.2023)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 HZG: Geschichte abgerufen am 24. März 2013 (via WayBack)
  2. HDZ: Neutronen für die Wissenschaft abgerufen am 7. Juni 2013
  3. taz.de: Atomkraftwerk wird abgeschaltet vom 24. Oktober 2008
  4. Zeit Online: Die Spaltung vom 25. November 2004
  5. Tagesspiegel: In der Elbmarsch geht die Angst um vom 21. April 2009 (via WayBack)
  6. Deutscher Bundestag: Erhöhte Strahlenbelastungen am 12. September 1986 in Geesthacht und Auftreten einer erheblichen Zahl von Leukämiefällen bei Kindern seit 1990 (Drucksache 16/2665) vom 22. September 2006
  7. hereon.de: Von Wellen, Wasser und dem Lebensraum Küste abgerufen am 8. April 2023
  8. hereon.de: Helmholtz-Zentrum Geesthacht wird Helmholtz-Zentrum Hereon vom 31. März 2021
  9. hzg.de: HZG im Dialog - Von der Stilllegung bis zur "Grünen Wiese" vom 13. August 2012 (via WayBack)
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