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Reaktoren außer Betrieb > Isar 2 (Bayern)

Druckwasserreaktor • Leistung: 1.485 MW • Typ: Konvoi • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 15. September 1982 • Inbetriebnahme: 15. Januar 1988 • Abschaltung: 15. April 2023[1][2][3]


Einer der leistungsstärksten Reaktoren weltweit

Nuclear power plant Isar 2

AKW Isar 2

Der stillgelegte Druckwasserreaktor Isar 2 (KKI-2) liegt in unmittelbarer Nähe der bayerischen Gemeinden Essenbach und Niederaichbach, 14 km von Landshut in Bayern entfernt[4] – direkt neben dem älteren Reaktor Isar 1, der 2011 abgeschaltet wurde. Isar 2 wurde am 15. Januar 1988 in Betrieb genommen und am 15. April 2023 endgültig abgeschaltet. Hersteller war die Kraftwerk Union (KWU); Eigentümer sind zu 75 % die E.ON-Tochter PreussenElektra GmbH und zu 25 % die Stadtwerke München. Betreiber ist die PreussenElektra GmbH.[1][2][3]

Der Reaktor hatte anfangs eine Leistung von 1.370 MW; die späteren 1.485 MW waren Resultat thermischer und elektrischer Leistungserhöhungen sowie einer Nachbesserung der Hochdruckturbine im Jahr 2009.[5]

Am 26. September 2014 wurde der Maschinentransformator des stillgelegten AKW Krümmel, den E.ON Vattenfall abgekauft hatte, verschifft; er wurde nach Bayern transportiert und soll in Isar 2 eingesetzt werden.[6]

Am Standort befindet sich ein Zwischenlager.

Geldsegen für die Stadt München

Der "stern" kritisierte im September 2010 die Beteiligung der Stadt München am Atomkraftwerk Isar. Zwar verfolgten Grüne und SPD eine Anti-Atomkraftpolitik, andererseits profitierte aber München von seiner 25%-Beteiligung an Isar 2. "Seit 20 Jahren regieren sie München zusammen und wollen offiziell schon lange den Anteil an Isar II loswerden. (…) Aber ach: Seit 20 Jahren kommt aus irgendeinem Grund immer irgendwas dazwischen. (…) Daher der Verdacht: Die Stadt will eigentlich gar nicht verkaufen."[7]

In der Einflugschneise

Der Standort Isar liegt direkt in der Einflugschneise des Münchener Flughafens, eine hochriskante Lage und eine große Gefahr für die Region. Am 30. März 1988 stürzte ein französischer Militärjet vom Typ Mirage in zwei Kilometer Entfernung vom Atomkraftwerk ab, welches also nur knapp einer nuklearen Katastrophe entging.[8] Wie im Oktober 2010 bekannt wurde, gibt es im Falle eines GAU keine Evakuierungspläne für die Umgebung.[9]

Im Juli 2011 fiel eine Kühlpumpe aus[10], und am 7. August 2012 wurde das Trinkwasser des AKW durch die hochgiftige Chemikalie Hydrazin verunreinigt.[11] Am 17. April 2014 musste Isar 2 wegen einer "Blockschutzauslösung aus dem Bereich eines Maschinentransformators" vorübergehend vom Netz genommen werden.[12]

Rückbaugenehmigung erteilt, hohe Abrisskosten

Laut Atomgesetz sollte das AKW Isar 2 zunächst spätestens am 31. Dezember 2022 endgültig abgeschaltet werden.[13] Nach einer Meldung vom 21. Januar 2014 plante E.ON nicht, die Anlage früher vom Netz zu nehmen.[14]

E.ON und die Stadt München haben Jahrzehnte vom Betrieb des Reaktors profitiert, sehen sich aber nach 2022 mit hohen Kosten für Stilllegung und Rückbau der Anlage konfrontiert. E.ON geht insgesamt von 2,16 Mrd. Euro aus, die Endlagerung des Atommülls eingeschlossen. Die Stadtwerke München werden davon 540 Mio. Euro zu tragen haben. Fragen zum Profit, den das AKW jährlich abgeworfen hat, wollten die Stadtwerke (Stand: Juni 2014) nicht beantworten.[15] Nach einer Stellungnahme von E.ON am 12. März 2015 stehen zum Abriss von Isar 1 und 2 genug finanzielle Mittel bereit.[16]

Laut einer Meldung vom 29. Mai 2019 sollen bis Ende 2027 alle Brennelemente entfernt und im Standortzwischenlager deponiert werden. Der nukleare Rückbau soll bis Ende 2037 erfolgen, der konventionelle Abriss 2038/2039.[17]

Den Antrag auf Stilllegung und Rückbau reichte der Betreiber am 1. Juli 2019 beim Bayerischen Umweltministerium ein; die Genehmigung wird Ende 2023 erwartet.[18]

Mitte Oktober 2022 beschloss Bundeskanzler Olaf Scholz einen Weiterbetrieb der Einheiten Emsland (Niedersachsen), Isar 2 und Neckarwestheim II (Baden-Württemberg) bis 15. April 2023. Der Bundestag und der Bundesrat stimmten im November 2022 zu. Die Bundesregierung versprach sich davon "einen Beitrag zur Sicherung der Stromversorgung über den Winter".[19]

Am 21. März 2024 erteilte das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz die Rückbaugenehmigung. Nach der Abschaltung im April 2023 waren bereits die 193 Brennelemente vom Reaktordruckbehälter in das Brennelemente-Lagerbecken überführt worden; Anfang 2024 wurde der primäre Kühlkreislauf dekontaminiert.[20]

Laut "Süddeutscher Zeitung" wurde im April 2024 mit dem Rückbau begonnen. Bis 2024 sollen Isar 1 und 2 komplett verschwunden sein.[21]

Weitere Links

→ münchen.tv: Udes Erbe: Das Atomkraftwerk Isar II vom 12. Juni 2014

(Letzte Änderung: 20.04.2024)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 18. April 2023
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 ntv.de: Letzte AKW vom Netz getrennt - Deutscher Atomausstieg ist vollzogen vom 16. April 2023
  4. E.ON: Kernkraftwerk Isar abgerufen am 7. Oktober 2020 (via WayBack)
  5. BfS: Statusbericht zur Kernenergienutzung in der Bundesrepublik Deutschland 2012 vom Juli 2013
  6. SHZ: Transformator auf dem Weg nach Bayern vom 26. September 2014
  7. stern.de: Atomkraftwerk Isar II: Wie SPD und Grüne am AKW verdienen vom 24. September 2010
  8. BUND: Ein AKW in der Einflugschneise abgerufen am 28. September 2012 (via WayBack)
  9. Süddeutsche Online: GAU in Ohu? "Dann geht es drunter und drüber" vom 25. Oktober 2011
  10. bild.de: Technische Panne im Atomkraftwerk Isar II vom 19. Juli 2011
  11. donaukurier.de: Giftstoff im Trinkwasser vom 6. August 2012
  12. BR: Panne bei Isar 2 - Kernkraftwerk vom Netz vom 17. April 2014 (via WayBack)
  13. BASE: Laufzeiten und Elektrizitätsmengen deutscher Atomkraftwerke abgerufen am 18. Juni 2022 (via WayBack)
  14. BR: Keine vorzeitige Stilllegung von Isar 2 vom 21. Januar 2014 (via WayBack)
  15. Abendzeitung München: Münchens Atomkraftwerk Isar 2 Abschalten? Das kostet zwei Milliarden Euro vom 13. Juni 2014
  16. wochenblatt: e.on-Sprecher: Abriss der Atomkraftwerke bei Landshut ist finanziell gesichert vom 12. März 2015
  17. idowa.de: Infos zum Rückbau von Isar 2 vom 29. Mai 2019
  18. bayernkurier.de: Der Letzte macht das Licht aus vom 28. Dezember 2019
  19. Zeit Online: Bundesrat billigt Aufschub von Atomausstieg vom 25. November 2022
  20. PreussenElektra: Rückbau kann starten: PreussenElektra erhält Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau des Kernkraftwerks Isar 2 vom 22. März 2024
  21. süddeutsche.de: Atommeiler Isar 2: Rückbau mit der Großbandsäge vom 15. April 2024
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