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Atomenergie in Europa > Frankreich > Marcoule (Frankreich)

Atomzentrum an der Rhône

CEA Marcoule Site

Atomzentrum Marcoule (Frankreich)

Der Standort Marcoule befindet sich im südfranzösischen Départment Gard am westlichen Ufer der Rhône, nördlich von Avignon und westlich von Orange.[1]

Der Standort wurde von der "Süddeutschen Zeitung" sehr trefflich als "Gemischtwarenladen für Atomtechnik" bezeichnet.[2]

Dort ging bereits 1955 eine MOX-Fabrik für Leichtwasserreaktoren mit Namen Melox in Betrieb.[3] Ab 1956 wurden drei gasgekühlte Reaktoren zur Produktion von Plutonium und zur Stromerzeugung betrieben, sowie ab 1967 zwei Schwerwasserreaktoren, in denen Tritium für Wasserstoffbomben hergestellt wurde:

G-1 (1956-1968)
G-2 (1958-1980)
G-3 (1959-1984)
Celestin (1967/1968-2009)

1958 wurde in Marcoule die erste Wiederaufarbeitungsanlage Frankreichs in Betrieb genommen, UP 1 genannt. UP 2 ist 1966 in La Hague eröffnet worden.[4]

Am Standort befinden sich außerdem der stillgelegte Schnelle Brüter Phénix[5] sowie eine Anlage zur Behandlung von Atommüll und Lager für radioaktive Abfälle.[6][2]

Im Mai 2014 wurde Marcoule als Standort für die Errichtung eines künftigen Schnellen Brüters diskutiert, des natriumgekühlten Demonstrationsreaktors Astrid (Advanced Sodium Technological Reactor for Industrial Demonstration) mit 600 MW Leistung. Obwohl die beiden älteren Brüter Phénix und Superphénix beide gescheitert sind, möchte Frankreich wieder derartige Reaktoren bauen, um die immer weiter wachsenden Vorräte an Plutonium zu reduzieren.[7]

Heute dient Marcoule als Referenzstandort für die Forschung zum Brennstoffkreislauf (Verarbeitung und Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstoffe, Entsorgung radioaktiver Abfälle, Entwicklung des Brennstoffkreislaufs für zukünftige Nuklearsysteme) sowie zur Unterstützung von Industriepartnern. Als weitere Projekte werden die Rückbauaktivitäten bei G-1, G-2, G-3 sowie UP 1 genannt.[8]

Störfälle

Atomenergie_Tagesschau_Frankreich_Marcoule_Explosion_im_Atomanlage_1_Toter

Atomenergie Tagesschau Frankreich Marcoule Explosion im Atomanlage 1 Toter

(Hochgeladen in YouTube am 12. September 2011)

Im März 2009 ereignete sich ein Störfall, als mehr spaltbares Material als erlaubt nach Marcoule geliefert wurde. Dadurch bestand die Gefahr einer nuklearen Kettenreaktion.[2]

Im September 2011 explodierte ein Schmelzofen; ein Arbeiter kam ums Leben, vier wurden verletzt. Die EDF teilte beschwichtigend mit, es habe sich um einen Industrieunfall, nicht aber um einen nuklearen Unfall gehandelt. Angeblich soll keine Radioaktivität ausgetreten sein.[9]

Der Vorfall könnte, neben der Fukushima-Katastrophe, Einfluss auf die Atomdebatte in Frankreich gehabt haben. So hatten sich Sozialisten und Grüne im November 2011 auf eine Reduzierung des Atomstroms in Frankreich auf 50 % geeinigt.[10]

(Letzte Änderung: 10.12.2021)

Einzelnachweise

  1. WNA Reactor Database: G 2 (Marcoule), France abgerufen am 10. Dezember 2021
  2. 2,0 2,1 2,2 Süddeutsche.de: Gemischtwarenladen für Atomtechnik vom 12. September 2011
  3. nuklearforum.ch: Französische Regierung genehmigt Melox-Ausbau vom 3. August 1999
  4. DER SPIEGEL 16/1989: Angst mit zehn Jahren Rückstand - Nach La Hague kommt Atommüll aus aller Welt vom 16. April 1989
  5. IAEO: PRIS - Country Statistics/France abgerufen am 10. Dezember 2021
  6. AREVA: History The plant of Marcoule abgerufen am 3. Juni 2015 (via WayBack)
  7. nucklearforum.ch: Frankreich: Inbetriebnahme kommerzieller Schneller Brüter 2040 vom 27. Mai 2014
  8. CEA: The CEA Marcoule abgerufen am 10. Dezember 2021
  9. Spiegel Online: Abwiegeln, beschwichtigen, weitermachen vom 13. September 2011
  10. Spiegel Online: Reaktorsicherheit: Grande Atom-Nation in der Bredouille vom 17. November 2011
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