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Reaktoren außer Betrieb > Neckarwestheim II (Baden-Württemberg)

Druckwasserreaktor • Leistung: 1.400 MW • Typ: Konvoi • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 9. November 1982 • Inbetriebnahme: 29. Dezember 1988 • Abschaltung: 15. April 2023[1][2][3]
Beginn Rückbau: Mai 2023 • Ende Rückbau: offen


Atomkraftwerk bei Heilbronn

GKN 1&2

AKW Neckarwestheim

Der stillgelegte Druckwasserreaktor Neckarwestheim II (GKN-2) liegt direkt am Neckar, 10 km südlich von Heilbronn (Baden-Württemberg).[4] Er ging am 29. Dezember 1988 in Betrieb, besaß eine Leistung von 1.400 MW und wurde am 15. April 2023 endgültig abgeschaltet. Hersteller war die Kraftwerk Union (KWU), Eigentümer und Betreiber ist die EnBW-Tochter EnBW Kernkraft GmbH (EnKK).[1][2][3]

Am gleichen Standort befindet sich der 2011 abgeschaltete Druckwasserreaktor Neckarwestheim I sowie ein Zwischenlager.

Erdbebengefahr

Geologen weisen schon seit vielen Jahren darauf hin, dass die Reaktoren im Rheingraben, Neckarwestheim, Philippsburg und Biblis, nur auf Erdbeben mit der Stärke 4,5 bis 5,5 auf der Richterskala ausgelegt sind. Im Rheingraben wurden jedoch im Jahr 1356 bereits Stärken von 6,5 bis 6,7 erreicht, 1775/56 von 6,1. Solche Erdbeben könnten sich jederzeit wieder ereignen.[5]

Auf die Erdbebengefahr wurde auch in einem Gutachten in den 1970er Jahren hinwiesen – das Gutachten wurde von der CDU-Landesregierung nicht beachtet, der Gutachter erhielt keinen Auftrag mehr vom Staat, und das AKW wurde trotzdem gebaut. Das AKW steht auf einem alten Steinbruch, unter dem sich "poröse Schichten von Gips und Kalk" befinden und jedes Jahr große Hohlräume entstehen. Der Kühlturm ist bereits um 40 cm abgesunken. "Falls hier die Gesteinsschichten nachgeben, können alle Leitungen abreißen.""[6]

Störfälle

Am 27. Juli 2004 trat schwachradioaktives Wasser aus dem AKW aus und floss unbemerkt in den Neckar. Da die Freisetzung radioaktiver Stoffe nicht gemeldet wurde, wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.[7]

Wegen einer Pannenserie Ende Oktober 2013 geriet Neckarwestheim II wieder in die Schlagzeilen. Nachdem am 25. Oktober der Reaktor wegen eines defekten Brennelements heruntergefahren werden musste, emittierte er am folgenden Tag das 4fache des üblichen Wertes an Radioaktivität, am 27. Oktober sogar das 23fache. EnBW erklärte, dass dies ungefährlich sei und im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte liege. Das Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn kritisierte, dass die Grenzwerte viel zu hoch angesetzt seien und die Interessen der Atomkonzerne unterstützten.[8]

Rückbau seit Mai 2023

Laut Atomgesetz sollte das AKW zunächst spätestens am 31. Dezember 2022 endgültig abgeschaltet werden.[9] Am 6. Oktober 2014 erklärte EnBW, dass keine vorzeitige Abschaltung geplant sei.[10]

EnBW hat sich für den direkten Rückbau der AKW Neckarwestheim und Philippsburg entschieden und auch entsprechende Unterlagen für Neckarwestheim II und Philippsburg II erarbeitet.[11]

Am 18. Juli 2016 reichte die EnBW Kernkraft GmbH Anträge zu Stilllegung und Rückbau der AKW Neckarwestheim II und Philippsburg II beim Umweltministerium in Stuttgart ein.[12]

Mitte Oktober 2022 beschloss Bundeskanzler Olaf Scholz einen Weiterbetrieb der Einheiten Emsland (Niedersachsen), Isar 2 (Bayern) und Neckarwestheim II bis 15. April 2023. Der Bundestag und der Bundesrat stimmten im November 2022 zu. Die Bundesregierung versprach sich davon "einen Beitrag zur Sicherung der Stromversorgung über den Winter".[13]

Am 5. April 2023 erteilte das Umweltministerium Baden-Württemberg die Genehmigung für Stilllegung und Abbau von Neckarwestheim II.[14]

Im Mai 2023 wurde mit dem Rückbau von Neckarwestheim II begonnen; als erste große Rückbauaktivität wurde die Dekontamination des Primärkreises genannt.[15]

Weitere Links

→ EnBW: Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) (Informationen des Betreibers)
Arbeitsgemeinschaft AtomErbe Neckarwestheim (Bündnis von Bürgerinitiativen)
BBNM e. V. (Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar)

(Letzte Änderung: 07.02.2024)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 18. April 2023
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 ntv.de: Letzte AKW vom Netz getrennt - Deutscher Atomausstieg ist vollzogen vom 16. April 2023
  4. EnBW: Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) abgerufen am 8. Oktober 2020
  5. Sascha Adamek: Die Atomlüge. Heyne, München 2011, S. 49.
  6. DER SPIEGEL 12/2011: Atomkraft - Landkarte des Schreckens vom 21. März 2011
  7. Landtag Baden-Württemberg: Antrag der Fraktion GRÜNE und Stellungnahme des Ministeriums für Umwelt und Verkehr - Atomaufsicht beim meldepflichtigen Ereignis vom 27. Juli 2004 im Gemeinschaftskraftwerk Neckarwestheim vom 9. September 2004 (via WayBack)
  8. taz.de: Neue Pannen im AKW Neckarwestheim - Radioaktive Strahlung tritt aus vom 4. November 2013
  9. BASE: Laufzeiten und Elektrizitätsmengen deutscher Atomkraftwerke abgerufen am 18. Juni 2022 (via WayBack)
  10. Rhein-Neckar-Zeitung: Philippsburg/Neckarwestheim: EnBW plant keine vorzeitige Abschaltung von Atomkraftwerken vom 6. Oktober 2014 (via WayBack)
  11. EnBW: Rückbaustrategie verabschiedet: EnKK stellt Weichen für direkten Rückbau ihrer Kernkraftwerke vom 2. August 2012 (via WayBack)
  12. nuklearforum.ch: Deutschland: Stilllegungs- und Abbaugesuche für KKP-2 und GKN-2 eingereicht vom 22. Juli 2016
  13. Zeit Online: Bundesrat billigt Aufschub von Atomausstieg vom 25. November 2022
  14. EnBW: Kernkraftwerk Neckarwestheim: EnBW erhält Genehmigung für den Rückbau von Block II vom 5. April 2023
  15. EnBw: Rückbau am Standort Neckarwestheim/Rückbau des Blocks GKN II abgerufen am 6. Februar 2024
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