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Atomenergie in Europa > Kroatien > Prevlaka (Kroatien)

1 Reaktor • Leistung: 1.000 bis 1.200 MW •
Geplanter Baubeginn: 1985 • Geplante Inbetriebnahme: 1992 • Projektende: 1986


In der Nähe der kroatischen Gemeinde Prevlaka an der Save sollte nach Krško das zweite Atomkraftwerk Jugoslawiens entstehen, das aber nie errichtet wurde.

Den Bau des AKWs hatten die Energieverbände Kroatiens und Sloweniens 1981 erwogen. Es sollte eine Leistung von 1.000 bis 1.200 MW besitzen und war Teil eines umfassenden jugoslawischen Plans, in dem fünf Reaktoren mit insgesamt 5.000 MW vorgesehen waren. Der Baubeginn war ursprünglich für 1985, die Fertigstellung für 1992 geplant.[1] Mit Prevlaka sollte die nukleare Energieerzeugung in Jugoslawien verdoppelt werden.[2]

Am 12. Mai 1986, nach der Tschernobyl-Katastrophe, verschob die jugoslawische Regierung die Entscheidung zum Bau der Anlage, was in der weiter nördlich gelegenen Steiermark sehr begrüßt wurde[3][4]

Mitte 1987 strich die kroatische Regierung das Vorhaben schließlich aus dem Provinzplan. Als Gründe wurden die öffentliche Reaktion auf die Tschernobyl-Katastrophe und die drohende Abhängigkeit von der kostenintensiven Atomenergie genannt.[2]

Am 20. Februar 1986, noch vor Tschernobyl, hatte sich bereits Professor Dragiča Ivanovic, Rektor der Technischen Hochschule von Belgrad, wie folgt geäußert: "Wir können es nicht erlauben, daß mit dem Bau des Atomkraftwerkes von Prevlaka der Kopf Jugoslawiens in eine gefährliche Schlinge gelegt wird." Vor dem Zentralkomitee des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens hatte er vor der Störanfälligkeit von Atomkraftwerken und vor einem Anstieg der ohnehin schon hohen Staatsverschuldung gewarnt. Zudem hatte in einer Umfrage zur Jahreswende 1985/86 eine knappe Mehrheit der Befragten gegen die friedliche Nutzung der Atomenergie votiert. Im Oktober 1986 lehnten sogar drei von vier Jugoslawen die Atomkraft ab.[5]

2008 wurden noch einmal Pläne der kroatischen Atomlobby bekannt, für zwei Mrd. US-Dollar bis 2020 ein Atomkraftwerk in Prevlaka oder in Dalj in Slawonien zu bauen,[6][7] die aber nicht weiterverfolgt wurden.

(Letzte Änderung: 22.08.2022)

Einzelnachweise

  1. NTI: Prevlaka Nuclear Power Plant vom 10. Juni 2014 (via WayBack)
  2. 2,0 2,1 diyhpl.us: Economic Growth and the Environment in Yugoslavia: An Overview von 1988
  3. books.google.com: Chernobyl (Routledge Revivals): The Long Shadow von 1989 (Kapitel 10: Public Confidence in Nuclear Power/Nuclear Expansion)
  4. Landesarchiv Steiermark: Stenographischer Bericht - 43. Sitzung des Steiermärkischen Landtages vom 13. Mai 1986 (S. 2793, 2809)
  5. Zeit Online: Ohne Zweifel ins Atomzeitalter vom 10. Oktober 1986
  6. WNA: Croatia Nuclear Plant "Would Increase Debt" vom 22. Mai 2008
  7. WNA: Emerging Nuclear Energy Countries abgerufen am 3. Juni 2022
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