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Atomenergie in Europa > Russland > Sewersk/Tomsk-7, ehemalige Sowjetunion 1993
Weitere Atomunfälle und Störfälle > Sewersk/Tomsk-7, ehemalige Sowjetunion 1993

6. April 1993 • Explosion eines Tanks, Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Atmosphäre,
großflächige Kontamination • INES-Stufe 4 (Unfall)[1][2]


Seversk Central control

Kontrollstelle zur gesperrten Stadt Sewersk

Cooling Towers Seversk

Kühltürme von Tomsk-7

Reactor EI-2

Die Stadt Seversk mit Blick auf Kamin und Kühlturm

Das Sibirische Chemiekombinat Sewersk, früher bekannt als Tomsk-7, befindet sich bei der gleichnamigen Stadt am Fluss Tom, ungefähr 15 Kilometer nördlich der Oblast-Hauptstadt Tomsk. In diesem Atomkomplex wurde zunächst in fünf Reaktoren Plutonium für Atomwaffen produziert.

Sewersk/Tomsk-7 (Russland)

Am 6. April 1993 trat in Sewersk in einem Tank mit einer Lösung von 8.773 kg Uran und 310 g Plutonium ein Überdruck auf, und der Tank explodierte.[3] Es wurden radioaktive Teilchen in die Atmosphäre freigesetzt, die eine Region von über 120 Quadratkilometern verseuchten. Viele Dörfer wurden evakuiert und sind unbewohnbar. "Noch heute leiden die Menschen in der Region an den Folgen. Viele zeigen dieselben Symptome wie die Opfer von Tschernobyl und Majak: Krebs, Blutkrankheiten, Schädigung des Erbguts."[2]

"Entsorgung" des Atommülls und der Untersuchungsberichte

33 Millionen Kubikmeter flüssiger radioaktiver Abfälle wurden einfach in den Boden verpresst – in wasserführenden Schichten. In der Nähe des Flusses Tom ist die Radioaktivität bis zu 30mal so hoch wie die normale Hintergrundstrahlung. "Außerdem wurden im Boden erhöhte Konzentrationen an Kobalt-58, Chrom-51, Zink-65 und "jede Menge Plutonium gefunden". Die Konzentration an Cäsium-137 im Grundwasser ist so hoch wie im verstrahlten Tschernobyl." Wie in Tschernobyl wurden die örtlichen Behörden und die Bevölkerung erst verspätet informiert. Es wurden keine Schutzmaßnahmen gegen die Strahlung ergriffen, die Menschen wurden einfach nach Hause geschickt.[4]

Drei Tage nach dem schweren Atomunfall ordnete der damalige Präsident Boris Jelzin eine Sicherheitsüberprüfung der Anlage an, die erst im Oktober 1993 stattfand und deren Ergebnisse ebenfalls ´entsorgt´ wurden. "Am 1. November unterschrieb der Vizechef der Atomaufsicht, Jurij Subkow, den Bericht, von dem es nur fünf Exemplare gibt. Sie verschwanden in den Schubladen der staatlichen Atommafia."[5]

Der Unfall wurde von der IAEO 1998 noch mit der INES-Stufe 3 als ernster Störfall klassifiziert[6], in aktuelleren Medienberichten, denen wir uns anschließen, jedoch mit der Stufe 4 als Unfall.[1][7]

Am Standort sind heute mehrere Atomkraftwerke zur Stromerzeugung geplant.

Sewersk (Russland)

(Letzte Änderung: 17.06.2024)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 theguardian: Nuclear power plant accidents: listed and ranked since 1952 vom 14. März 2011
  2. 2,0 2,1 Greenpeace: Infos zur Ausstellung: Sewersk/Tomsk-7 vom 28. März 2006 (via WayBack)
  3. Deutscher Bundestag: Radioaktive Altlasten in den Nachfolgestaaten der UdSSR und in Osteuropa (Drucksache 12/8410. S.9) vom 1. September 1994
  4. Focus Online: Atomunfall - Die wahre Katastrophe in Tomsk-6 vom 19. April 1993 (via WayBack)
  5. Focus Online: Russland - "Problem der Kontrolle ungelöst" vom 12. September 1994 [Datum nachträglich von "Focus" verändert]
  6. IAEO: The Radiological Accident in the Reprocessing Plant at Tomsk (S.5) von 1998
  7. BBC News: Timeline: Nuclear plant accidents vom 12. September 2011 (via WayBack)
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