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Reaktoren außer Betrieb > Stade (Niedersachsen)

Druckwasserreaktor • Leistung: 672 MW • Typ: - • Hersteller: Siemens •
Baubeginn: 1. Dezember 1967 • Inbetriebnahme: 8. Januar 1972 • Abschaltung: 14. November 2003 •[1][2]
Beginn Rückbau: 2005 • Ende Rückbau: 2026?


Vorzeitige Stilllegung nach Ausstiegsbeschluss

AKW Stade

AKW Stade

Das stillgelegte Atomkraftwerk Stade (KKS) befindet sich nahe der gleichnamigen Stadt an der Elbe, nordwestlich von Hamburg.[3]

Der Druckwasserreaktor mit 672 MW Leistung wurde am 8. Januar 1972 in Betrieb genommen und ging am 14. November 2003 außer Betrieb. Hersteller war Siemens,[1][2] Eigentümer sind die E.ON-Tochter PreussenElektra GmbH (66,7%) und Vattenfall Europe Nuclear Energy (33,3%); Betreiber ist die PreussenElektra GmbH.[4]

Forderungen nach einer Abschaltung des sogenannten "Schrottreaktors" von Stade hatte es bereits 1986, im Jahr der Tschernobyl-Katastrophe, gegeben: Der Druckbehälter war versprödet, und die Notkühlung ein Sicherheitsrisiko.[5]

Stade war später das erste Atomkraftwerk, das aufgrund des Ausstiegsbeschlusses der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder abgeschaltet wurde.[6] Das AKW hätte noch bis 2004 weiterlaufen können, E.ON nahm es jedoch wegen Überkapazitäten auf dem Strommarkt ein Jahr früher vom Netz.[7]

Störfälle

Am 3. Juni 1977 fiel ein Notstrom-Dieselgenerator während des Leistungsbetriebs aus.[8]

1988 wurde über zwei Störfälle berichtet, die zunächst verheimlicht wurden: Im Dezember musste am Reaktor wegen eines automatisch verschlossenen Ventils einer Frischdampfleitung eine Schnellabschaltung durchgeführt werden. "Dabei kam es zu starken Vibrationen der überalterten Leitungen - Bruchgefahr inbegriffen." Vier Monate zuvor war ein Ventil im Speisewassersystem abgerissen.[9]

Am 11. August 2002 ereigneten sich ein Kurzschluss und ein Brand in der Schaltanlage, infolge derer wichtige Sicherheitseinrichtungen ausfielen und der Reaktor drei Wochen abgeschaltet war.[10][11]

Rückbau bis 2026

Der Reaktor lief nach seiner Abschaltung 2003 zunächst im Nachbetrieb, währenddessen die Brennelemente entfernt wurden. Mit der Stilllegung wurde am 7. September 2005 begonnen. Der Rückbau ist in fünf Phasen eingeteilt; in der letzten Phase sollen die Gebäude abgerissen werden.[12]

In einem Artikel in der "Zeit Online" von 2012 wurde beschrieben: "Mit einem enormen technischen Aufwand zerlegen Roboter den Reaktordruckbehälter, das Herzstück des Kraftwerks. Mehr als 250 Tonnen Stahl müssen hierfür in 273 Einzelteile zersägt werden. Anschließend werden sie in mehr als 100 Behälter und Container verpackt."[13]

Nach einer Information von E.ON vom Dezember 2013 "wurden das Herzstück des Kernkraftwerkes, der Reaktor, und alle aktivierten Strukturen sowie alle Betriebssysteme zwischenzeitlich demontiert und aus der Anlage verbracht."[14]

Im September 2014 gab das niedersächsische Umweltministerium bekannt, dass sich der in diesem Jahr vorgesehene Abschluss des Rückbaus wegen der Kontamination im Sockelbereich des Reaktorgebäudes voraussichtlich um vier Jahre bis 2018 verzögern werde.[15]

Laut einem Bericht vom März 2017 sollte der Rückbau 2023 beendet werden; die Kosten sollten sich auf eine Mrd. Euro verdoppeln (bei Baukosten von 150 Mio. Euro) .[16]

Nach Angabe von PreussenElektra (Stand Januar 2022) werden der Rückbau der Anlage und der Abriss der Gebäude erst 2026 beendet werden.[4]

Lagerung von Bauschutt auf kreiseigener Mülldeponie

Aufregung_um_AKW-Bauschutt_-_Wie_die_Atomhysterie_um_sich_greift

Aufregung um AKW-Bauschutt - Wie die Atomhysterie um sich greift

NDR: "Aufregung um AKW-Bauschutt" (hochgeladen in YouTube am 4. Dezember 2011)

Mit dem Bauschutt des Atomkraftwerks Stade wurde jahrelang skandalös umgegangen. Zwischen 2003 und 2007 wurden 108 Tonnen schwach radioaktiver Bauschutt einfach auf der kreiseigenen Mülldeponie Schneverdingen-Hillern im Heidekreis gelagert – ohne Wissen der Anwohner und des Landrats, die davon erst 2011 erfuhren. Schneverdingen ist ein Luftkurort und befürchtete nicht nur das Risiko des strahlenden Mülls, sondern auch einen Imageschaden für die Gemeinde. Der Kreisrat beschloss deshalb, keinen Bauschutt von Stade mehr anzunehmen.[17]

Der anfallende leicht- bis mittelradioaktive Atommüll wird ein Volumen von 3.000 Tonnen besitzen und zunächst auf dem Zwischenlager "LarA" gelagert werden, das eine Betriebsgenehmigung bis 2047 besitzt.[18]

→ Spiegel Online: Reaktor-Reportage: Ein Atomkraftwerk wird abgerissen vom 19. September 2008

(Letzte Änderung: 16.04.2024)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 23. Januar 2022
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Stade, Germany abgerufen am 23. Januar 2022
  4. 4,0 4,1 PreussenElektra: Kernkraftwerk Stade abgerufen am 25. Juli 2023
  5. DER SPIEGEL 23/1986: Liebe, lache, kämpfe vom 1. Juni 1986
  6. Spiegel Online: Stade: Der erste Atommeiler geht vom Netz vom 4. November 2003
  7. Spiegel Online: Strommarkt: E.ON legt Atommeiler still vom 9. Oktober 2000
  8. Greenpeace: Der Jahreskalender: Juni vom 26. April 2006
  9. DER SPIEGEL 52/1988: Große Schlamperei Neuer Höhepunkt der Pannenserie in vom 25. Dezember 1988
  10. Focus Online: Hintergrund: Störfälle in deutschen AKW vom 15. November 2013
  11. Hamburger Abendblatt: Fünf Störfälle durch Brände in Kernkraftwerken vom 30. Juni 2007
  12. Niedersächsisches Umweltministerium: Sachstandsinformation zum Kernkraftwerk Stade, vom 18. Mai 2021
  13. Zeit Online: Wohin mit dem Atomkraftwerk? vom 8. Februar 2012
  14. E.ON: Wechsel in der Technischen Leitung des Kernkraftwerks Stade vom 19. Dezember 2013 (via WayBack)
  15. Weserkurier: Rückbau des Atomkraftwerks Stade verzögert sich um Jahre vom 10. September 2014
  16. NDR: Stade: AKW-Rückbau dauert länger als geplant vom 19. März 2017
  17. taz.de: Atommüll im Naturpark vom 15. November 2011
  18. NDR.de: Stade: Ein Atommeiler wird entsorgt vom 29. März 2011 (via WayBack)
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